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21.09.2017 11:38:14

Geschichte der KRR

Es war im Jahre 1904, als der neue Direktor des Katharineums, Dr. Christian Reuter, gemeinsam mit Oberlehrer Dr. Otto Hoffmann die Katharineum-Ruderriege ins Leben rief. Dr. Hoffmann hatte bereits seit 1896 Primaner des Katharineums im Rudern ausgebildet, jedoch war eine Riegengründung an der damaligen Schulleitung gescheitert. Erst die fortschrittliche Gesinnung Dr. Reuters machte eine Gründung möglich, und so traten der jungen Riege sogleich 31 Mitglieder bei. Die Tatsache, daß sich Schüler öffentlich zum Rudersport bekannten, war zu dieser Zeit in Lübeck revolutionär, und so mag es uns kaum möglich erscheinen, daß dem ersten Protektor Dr. Hoffmann schwerster Widerstand entgegengesetzt wurde. Aber alle Hindernisse konnten aus dem Weg geräumt und überwunden werden.

Gastrecht erhielt die KRR bei der Lübecker Ruder-Gesellschaft v. 1885 (LRG), dem damals noch einzigen Lübecker Ruderverein. Mitglieder der LRG halfen bei der Ausbildung der Riegenmitglieder und stellten ihr Bootsmaterial zur Verfügung.

Die Entwicklung der Riege nahm einen schnellen Aufschwung, noch 1904 beteiligte sich die KRR an der internen Regatta der LRG, 1910 an den ersten auswärtigen Regatten in Halle und Travemünde. Im Vordergrund stand das Wanderrudern. Neben den normalen Übungs- und Tagesfahrten wurden schon bald Wanderfahrten durchgeführt. Im Herbst 1908 befuhren einige Riegenmitglieder gemeinsam mit Schülern des Johanneums die Weser von Hannoversch Münden bis Bremen.

Die Tatsache, daß eine Vierermannschaft des Katharineums 1913 an einer Auffahrt anläßlich des 25jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II. in Berlin-Grünau teilnahm, wird in den Annalen mit besonderem Stolz erwähnt. Im Jahre 1914, also zehn Jahre nach Gründung der Riege, bestand der Bootspark der KRR aus sieben Booten, als der Ausbruch des Ersten Weltkrieges die so positiv beschrittene Entwicklung stoppte. Die älteren Schüler traten ins Heer ein, so daß der Ruderbetrieb stark zurückging.

Erst in den zwanziger Jahren setzte ein neuer Aufschwung ein: die Mitgliederzahl stieg auf zeitweilig 80 an; auf auswärtigen Regatten in Berlin, Halle, Schwerin und Hamburg stellten sich schöne Erfolge ein.

Bis zum Jahre 1930 hatten auch andere Lübecker Schulen Ruderriegen gegründet (1906 Johanneum, 1921 Oberrealschule zum Dom, 1927 Ernestinenschule), so daß die Räumlichkeiten in der LRG immer enger wurden und die Betreuung zu wünschen übrig ließ. Außerdem zeichnete sich eine in immer stärkerem Maße auftretende Entfremdung zwischen der LRG und der KRR ab, da im allgemeinen nur wenige Katharineer nach ihrem Schulabgang in die LRG eintraten, sondern stattdessen zum 1907 gegründeten Lübecker Ruderklub (LRK) wechselten.

 

Da der LRK im Jahre 1933 einen gerade fertiggestellten Bootshausanbau zur Verfügung stellte, wurde der Umzug beschlossen. Damit begann für die KRR eine Blütezeit, wie sie ein Schülerruderverein nur selten erlebt. So verfügte sie z.B. jahrelang über den besten Schülerachter Norddeutschlands. Unter der Trainingsleitung von Herrn Lüders (LRK) wurden der 1. Schülerachter in Berlin und ferner die Herausforderungspreise im 1. Achter in Hamburg sowie im „Alfred-Hafels-Gedächtnisachter“ durch drei Siege hintereinander in den Jahren 1934 bis 1936 endgültig gewonnen.

In diese Zeit fallen auch die damals stadtbekannten gesellschaftlichen Veranstaltungen, die die Riege alljährlich im Marmorsaal des Stadttheaters aufzog.

So stand es um die KRR, als sie im April 1938 ihre Selbständigkeit aufgeben mußte. Die Machtergreifung Hitlers hatte sich für die Riege zunächst nicht sehr störend ausgewirkt, obwohl der „Reichssportführer“ sie - genauso wie alle anderen Sportvereine - in den „Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“ zwang. Ansonsten hatte sie ihr gewohntes Leben weiterführen können. Plötzlich jedoch wollte die Marine-Hitler-Jugend die Riegen der Lübecker Gymnasien schlucken. Dadurch hätte sie nicht nur ihre Mitgliederzahl erhöht, sondern gleichzeitig eine weitere Wassersportart anbieten können.

Die drohende „Verstaatlichung“ konnte durch die einmalig gute Idee überwunden werden, die KRR als „Jugendabteilung, K.“ in den Lübecker Ruderklub zu überführen. So konnte das Riegenleben unter dem Deckmantel des Klubs in alter Weise fortgeführt werden. Entsprechend verfuhr die LRG mit den anderen Riegen.

Im ganzen zeigte sich eine enge, nützliche Zusammenarbeit mit dem LRK. So blieb der Schülervierer im folgenden Jahr auf allen norddeutschen Regattaplätzen ungeschlagen. Wegen des Kriegsausbruchs mußte auf den Besuch der erfolgversprechenden Deutschen Meisterschaften leider verzichtet werden. Das Jahr 1940 sah wiederum eine prächtige Achtermannschaft, diesmal in Renngemeinschaft mit dem LRK, die auf den Deutschen Meisterschaften in Berlin-Grünau gegen 24 Gegner einen hervorragenden 4. Platz belegte. - Das waren die letzten sportlichen Erfolge. Mit der Dauer des Krieges nahm der Ruderbetrieb zum zweiten Mal einen bedenklichen Rückgang und brach abrupt ab, als das Bootshaus in eine Lagerhalle umgewandelt wurde. - Die Katharineum-Ruderriege war zu einem jahrelangen Schlaf verurteilt.


Im August 1947 fanden sich alte und junge Katharineer zusammen, um die Riege neu zu gründen. Besonders war es Herr Dr. Carsten Groth, der sich für die Riege einsetzte und sie zu neuem Leben erweckte. Es galt zunächst, Schüler im Rudern auszubilden. Ein starkes Hindernis bildete dabei der stark dezimierte Bootsbestand. Doch der Wiederaufbau gelang äußerst schnell. Schon 1949 hatte die KRR ihre angesehene Stellung zurückerobert, und bereits 1950 errang eine Vierermannschaft bei den sog. „Jugendbestenermittlungen“ den Titel des inoffiziellen Deutschen Schülermeisters. Die Riege wurde wieder zu einem Anziehungspunkt für die Schüler des Katharineums; die kommenden Jahre brachten viele Siege auf sämtlichen Regattaplätzen. Diese Erfolgserie gipfelte 1963 in einem Achtersieg auf den Deutschen Schülermeisterschaften in Schweinfurt.

Mitte der sechziger Jahre kam es zu „Störungen des Riegenlebens, welche ihren Grund in der damals beginnenden ´Verunsicherung´ der Jugend hatten“, wie sich der damalige Protektor Wolfgang Plaß ausdrückte. Er berichtet: „Es wurde lautstark nach Selbstbestimmung und Mitsprache gerufen, doch fanden sich immer weniger Schüler, die bereit waren, diese Forderung durch Mitarbeit zu verwirklichen. Die Mitgliederzahl sank, die Boote zerschlissen, Regatten wurden kaum noch besucht. In den anderen Riegen sah es ähnlich aus.“ Der Hang zur Tradition riß Ende der sechziger Jahre vollends ab.

Mit dem Aufkommen der Kinderruderns kam neues Leben in die festgefahrenen Verhältnisse. Die KRR konnte sich unter dem unermüdlichen Einsatz ihres Protektors Herrn Plaß, der die Riege gänzlich neu aufbaute, von innen her regenerieren. Egal ob Trainingsleute oder Wanderruderer, die Riegenmitglieder fanden auch wieder zur Tradition zurück.

Erneut ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Lübecker Ruderklub. Innerhalb der neu ins Leben gerufenen „Trainingsgemeinschaft Lübecker Ruderklub/Katharineum-Ruderriege“, die sich in ganz Deutschland als sog. „Lübecker Modell“ einen Namen machte und Vorbild für viele andere Trainingsgemeinschaften war, wurden große Erfolge gefeiert.

1975 wurde die Deutsche Meisterschaft im Junioren- Doppelzweier errungen, ein Vierer der Trgm. LRK/KRR vertrat die Bundesrepublik auf der Junioren-Weltmeisterschaft in Montreal und gewann die Bronzemedaille. Die Reihe der Erfolge geht von Bundes- und Landesmeisterschaften, Eichkranzsiegen und Siegen auf örtlichen Regatten bis hin zum alljährlich auf der Lübecker Internen Regatta (früher: LRG-Interne) ausgefahrenen Ernst-Boie-Gedächtnispreis, dem sog. „Hackbrett“, das an das jeweils schnellste Boot der Lübecker Gymnasien vergeben wird und nicht selten in unserem Flur hing.

Diese Verhältnisse reichten bis in die achtziger Jahre. 1983 und 1984 konnten im Vierer die Bundesmeisterschaften im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend trainiert für Olympia“ (JtfO), den offiziellen Deutschen Schülermeisterschaften, souverän gewonnen werden. Nicht selten war die KRR bei den Landesmeisterschaften mit mehreren Booten erfolgreich. Ehemalige Riegenmitglieder errangen in ihrer späteren Rudererlaufbahn ansehnliche Erfolge. So gehörte z.B. Karl-Heinz Hopp der Mannschaft des siegreichen Gold-Achters bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom an (trainiert von Karl Adam), und Björn Gehlsen, noch 1984 Riegenvorsitzender, und Heiko Gläser, Mitglied in den neunziger Jahren, sind inzwischen Weltmeister!

Das Training läuft in gemeinsamer Arbeit in einem der beiden Lübecker Rudervereine. Die Riege selbst als unabhängige Institution betreibt eher das Wanderrudern. Regelmäßig finden sich in den Sommerferien Riegenmitglieder zu einer großen Sommerwanderfahrt zusammen. Dabei wurden in den vergangenen Jahren nicht nur die alte Salzstraße von Lüneburg bis nach Lübeck, Gewässer der mecklenburgischen Seenplatte oder die Lahn und die Weser auf nahezu ganzer Strecke befahren, sondern auch Schiffahrtsstraßen in Frankreich oder in Schweden.

  

Dank gebührt den vielen Leuten, die sich im Laufe der Zeit für das Wohl der Riege eingesetzt und durch tatkräftige Unterstützung daran mitgearbeitet haben, sowie den beiden Lübecker Rudervereinen, die der KRR stets freundlich geholfen und sie unterstützt haben, wo es nur ging.

Wenn die Riege auf ihre lange Geschichte zurückblickt, so kann sie es mit dem Gefühl lebhafter Befriedigung tun. Es ist ihr gelungen, manchen Schüler hinauszulocken in die schöne Umgebung Lübecks, seine Kräfte zu üben und sich im fröhlichen Wettbewerb mit seinen Kameraden zu messen.

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